Dienstag, 16. Dezember 2014

Das kann doch nicht gutgehen! Vegane Plätzchen aus zwei Zutaten

Vegane Weihnachtsplätzchen: Haferflocken-Taler mit Bananen
Zutaten für 30 Plätzchen: 3 mittelgroße und reife Bananen, 270 Gramm Haferflocken.
Nach Belieben Zimt, Kuvertüre und sonstiges Topping.

Ich glaube an den Haken. Du kaufst ein Brotmesser für 50 Cent? Es schneidet höchstens Butter. Du willst mit Bild der Frau drei Kilo in zwei Tagen abnehmen? Es wird nicht klappen. Du trinkst vorgemixten Gin Tonic aus der Dose? Es wird der Kater deines Lebens. Ich habe gelernt: Es gibt immer einen.

Warum ich trotzdem Plätzchen gebacken habe, die eigentlich nur aus zwei Zutaten bestehen, dazu noch vegan und zuckerfrei sind - aber angeblich total lecker? Es gibt nur einen Grund: Noch größer als meine Skepsis sind meine Faulheit (klingt schon verlockend unaufwendig), meine Naivität (und was wäre, wenn doch..?) und mein Pragmatismus (was hast du schon zu verlieren - außer Bananen, Haferflocken und ein wenig Lebenszeit).

Voilà: Vegane Haferflocken-Taler mit Banane

 

Vegane Weihnachtsplätzchen: Haferflocken-Taler mit Bananen

Also habe ich mich an mein erstes veganes Plätzchenrezept gewagt - das sich übrigens perfekt als Last-Minute-Variante eignet, wenn man eigentlich nichts für Weihnachtskekse im Haus und sowieso keine Lust auf das ganze Mehl-, Ei- und Mixerchaos in der Küche hat. Denn davon braucht man nix. Ich sag ja: Es klingt fast zu gut, um tatsächlich zu klappen.

Ihr braucht nur: Einen Ofen, den ihr auf 180 Grad Umluft vorheizt. Eine Gabel, mit der ihr die geschälten Bananen zermatscht. Und eine Schüssel, in der ihr dieses Mus jetzt mit den Haferflocken vermischt. Ich habe alles einfach gründlich mit der Gabel durchgeknetet und ordentlich Zimt draufgeschüttet (der ist fürs Ursprungsrezept optional - es geht auch ohne). Anfangs war ich skeptisch, ob wirklich eine homogene Masse draus wird. Aber die erste Erkenntnis: Es klappt.

Vegane Weihnachtsplätzchen: Haferflocken-Taler mit Bananen

Jetzt verteilt ihr die Haferflocken-Bananen-Matsche in kleinen Portionen auf einem mit Papier ausgelegten Backblech. Ich habe sie recht platt gedrückt, es können aber auch kleine Berge draus werden. Die Kekse dürfen übrigens mit Topping nach Wahl aufgehübscht werden, ich hab ein paar Kürbiskerne (nach denen ich bekanntlich süchtig bin) drauf verteilt. Ab in den Ofen - und nicht lang aus den Augen lassen. Nach 15 bis 17 Minuten sind die Kekse fertig, sie härten später noch etwas nach.

Abkühlen lassen und bei Bedarf (damit sie später nicht nur gesund, sondern auch nach Plätzchen schmecken) mit geschmolzener Zartbitterkuvertüre verzieren. Ja, auch die ist vegan. Das war mir neu - aber Kakao stammt nunmal nicht vom Tier. Und sonst ist zumindest in der Bio-Variante nur Zucker drin.

Die wichtigste Frage: Wie schmecken sie denn nun, diese Pseudo-Plätzchen aus dem Turbo-Rezept? Ich muss gestehen: Gut. Mir zumindest. Man muss wohl über eine gewisse Haferflocken- und Bananen-Affinität verfügen - aber für den kleinen Aufwand und die einfache Zubereitung bin ich echt begeistert. Klar, meine geliebten Kindheits-Nussberge sind irgendwie geiler - aber bei der enthaltenen Menge an Zucker und Butter wäre alles andere auch unverschämt.

Vegane Weihnachtsplätzchen: Haferflocken-Taler mit Bananen

In diesem Sinne: Bon Appétit! Und wo ist er nun, der Haken? Ich gebe zu, es gibt einen. Denn man geht das Risiko ein, gemobbt zu werden. Schaut her, ich habe vegane Haferflocken-Taler gebacken - da wird man schnell mit diesem mitleidigen Ach ja, du isst ja auch kein Fleisch-Blick angesehen. Man gilt als spaßbefreit, langweilig und irgendwie uncool - also gebt diese Plätzchen bloß keinen Kindern mit zur Schul-Weihnachtsfeier. Das könnte Tränen geben.

Dienstag, 2. Dezember 2014

Tofu-Krümel in Tomatensauce: Keine Bolognese, sieht nur so aus

Tofu-Bolognese selbstgemacht - auch mit Zucchini-Spaghetti
Zutaten (für 2 Portionen): 250g Tofu, 1 Paprika, 1 Möhre, 1 Dose Tomaten, 2 EL Tomatenmark, 1 Zwiebel,
1 Knoblauchzehe, frische Chilischote nach Belieben, Salz, Pfeffer, Zucker, Paprikapulver, frische Kräuter

Nein, ich werfe keine Farbbeutel. Ich posiere auch nicht nackig und blutverschmiert für PETA. Erst recht schubse ich nicht mit erhobenem Zeigefinger dein Steak vom Tisch. Ich will es nur nicht essen. Ja, ich bin Vegetarierin - aber mit deinem Teller hat das nichts zu tun.

Das muss einfach mal gesagt werden - denn ich habe das Gefühl, dass sich Fleischesser durch Menschen wie mich bedroht fühlen. Und deshalb zum Angriff übergehen. Du isst Hefe? Aus bio-chemischer Sonstwas-Sicht geht das dann aber gar nicht. Oder: Warum trägst du Lederstiefel? Die Tiere tun dir plötzlich nicht leid, oder was? Schön auch: Was ist mit den armen Mais-Bauern und ihren Familien? Als ob die fair bezahlt werden... Ähm ja, ich gebe zu: Mein kleines fleischfreies Leben vermag nicht alle Probleme der Welt im Alleingang zu lösen. Aber schrei doch bitte nicht so, sondern iss einfach weiter. Das mache ich auch - und mir schmeckt's.

Voilà: Tofu-Krümel in gemüsiger Tomatensauce

 

Tofu-Bolognese selbstgemacht - auch mit Zucchini-Spaghetti


Ich gebe zu: Eigentlich müsste hier Tofu-Bolognese stehen. Aber ich lehne diesen Begriff ab - genau wie Veggie-Hacksteak und Fleischfreie Leberwurst. Wozu einen Namen verwenden, der sich selbst in die Absurdität führt? Ich esse auch nicht oft Tofu - aber ich wollte es einfach mal ausprobieren und habe deshalb einen Bolognese-Profi an den Herd gebeten. Schon praktisch, Leben und Küche mit einem begnadeten Koch zu teilen: Ich musste nur fotografieren, Tisch decken und fleißig mitschreiben.

Und so funktioniert's: Erst einmal zerdrückt ihr den Tofublock mit einer Gabel, bis nur noch kleine Krümel übrig sind. Und dann macht ihr weiter, als würdet ihr tatsächlich Bolognese (auf beliebige Art) zubereiten. In unserem Fall wurden zunächst die zuvor gehackten Möhren, Paprika, Zwiebeln, Knoblauch und Chili in einer Pfanne in etwas Öl scharf angebraten, anschließend mit ein wenig Zucker karamelllisiert und ein paar Minuten auf mittlerer Hitze ziehen gelassen. Alles raus aus der Pfanne, in dieser werden jetzt die Tofu-Krümel bei hoher Hitze angebraten, bis sie kross sind und mit Pfeffer und Paprikapulver gewürzt. Nun werden zwei Teelöffel Tomatenmark untergerührt, nach kurzer Wartezeit die Dosentomaten - und nun dürfen die restlichen, zuvor beiseite gestellten Zutaten, zurück in die Pfanne. Alles ordentlich würzen und köcheln lassen - und abschmecken, bis es euch gefällt.

Ohne jetzt den Denkt doch mal über euren Hack-Konsum nach-Zeigefinger auspacken zu wollen: Das Ganze war so lecker, dass sogar der Bolognese-liebende und anfangs skeptische Koch ziemlich hingerissen war. Man muss einfach nur würzen können. 

Tofu-Bolognese selbstgemacht - auch mit Zucchini-Spaghetti

Bon Appétit! Und falls ihr euch jetzt fragt, warum die Nudeln auf dem zweiten Bild so komsich aussehen: Das liegt daran, dass sie aus Zucchini sind. Aber weil ich nicht noch mehr Menschen kulinarisch provozieren will, beende ich das Thema für heute und werde meinen neuen grünen Lieblingsnudeln bald einen eigenen Beitrag widmen - versprochen. Wenn mich bis dahin niemand attackiert hat, weil ich ja offensichtlich nicht nur Fleischfrei-Terroristin bin, sondern auch Mitglied der Anti-Kohlenhydrate-Mafia. Und da sage noch jemand, gesundes Essen verlängere das Leben...

Montag, 10. November 2014

Regale aus Paletten: Ähm ja, da hängt Müll an der Wand...

DIY und Upcycling: Wandregal aus alten Paletten

Früher war es Sperrmüll - wenn überhaupt. Vielleicht auch einfach nur Müll, wer versteht das schon? Früher waren Flohmärkte irgendwie peinlich und die Dinge dort günstig. Das knappe Konto war der einzige Grund für den Besuch, bei dem der Schal bis zur Nasenspitze hochgezogen wurde. Früher wurde eine Decke übers Sofa geworfen, um Schmutz und Abscheulichkeit zu verstecken - und nicht um des Decke-drüber-Werfens willen. Dann kam irgendwann die Wende.

Plötzlich flaniert man mit geschwellter Brust über Flohmärkte, bezahlt dort Unsummen für - sind wir doch mal ehrlich - alten Tinnef. Zuhause wirft man stolz mit Begriffen wie Upcycling und Vintage um sich, als hätte man sie gerade im FAZ-Feuilleton gelernt - und erntet entsprechend beeindruckte Blicke. Auch meine Eltern haben verstanden, dass ich inzwischen manchen Müll zu schätzen weiß - und präsentierten mir ein Garten-Umgestaltungs-Überbleibsel. Eine alte Palette? Immer her damit. Ich wünsche mir längst ein neues Regal - oder am liebsten gleich zwei. Und dazu bitte einen begabten Handwerker, das ist nämlich alles gar nicht so einfach. Und der Name des Blogs verpflichtet schließlich.

Voilà: Eine alte Palette wird zum Wandregal


DIY und Upcycling: Wandregal aus alten Paletten

Erst einmal braucht man einen Ort, an dem man nach Laune sägen und rumsauen kann - dieses DIY-Projekt macht im eigenen Wohnzimmer nur wenig Spaß. Jetzt wird die Palette geputzt und geglättet, entweder mit grobem Schmirgelpapier oder gar einer Schleifmaschine - je nach Splitter-Lastigkeit des Einzelstücks. 

Nun kommt es drauf an, ob die Palette in ein Regal oder gleich in mehrere verwandelt werden soll. In meinem Fall war das gute Stück (1 mal 1,20 Meter) einfach zu groß - deshalb wurde es durchgesägt. Da nun einer Hälfte ein Balken fehlte, kam ein passendes Brett an die Sägekante. Das ist zwar nicht so geschwungen wie der Rest, stört aber nicht.

DIY und Upcycling: Wandregal aus alten Paletten

Die nächste Entscheidung war fast die schwierigste: Wie soll das fertige Regal aussehen? Ganz natürlich im Holzlook oder doch lieber bunt? Wie gut, wenn man zwei Teile hat! So wurde eine Hälfte mit Klarlack überstrichen und die andere mit türkisfarbenem Lack bemalt - fertig! 

DIY und Upcycling: Wandregal aus alten Paletten

Die Montage erfordert noch einmal handwerkliches Geschick und vier Hände: Wir haben an jede Palettenhälfte fünf Metallwinkel aus dem Baumarkt geschraubt, dann mit Hilfe von entsprechenden Markierungen Löcher in die Wand gebohrt, Dübel rein - und zum Schluss wird die Palette mit den Winkeln an der Wand festgeschraubt. 

Übrigens für mich das größte Wunder an der ganzen Aktion: Alle Löcher waren am richtigen Platz - und die Regale hängen sogar (fast ganz) gerade. Jetzt darf dekoriert werden, denn um ehrlich zu sein, geht es bei den Regalen genau darum: um Deko. Wer Stauraum braucht, der sollte besser zu Ikea fahren. Aber dann wirds auch nicht so schön. 
 

Ich bin ganz verliebt in meine neuen Regale - spüre aber ein wenig Angst in mir aufsteigen: Denn mittlerweile bin ich wie Pawlows Hund, der das Glöckchen läuten hört, sobald man ihm alte, schäbige (aber doch irgendwie potenziell schöne Dinge) vors Maul hält. Ich stürze mich mit großen Augen auf kaputte Truhen, verkratzte Näh-Tische oder nutzlose Kaffeemühlen. Wie lange bin ich einfach nur meinem Stil treu - und ab wann ein Alte-Dinge-Messie? Die Frage treibt mich um, noch habe ich die Antwort nicht gefunden. Bis sie mir jemand liefert, mache ich einfach weiter - und ich höre es in der Ferne schon leise läuten...

Mittwoch, 29. Oktober 2014

Kürbis-Gemüse-Pfanne: Low Carb, lecker - und ganz ohne Mayo

Mit Mayonnaise bestrichene Käseröllchen
Low-Carb, aber lecker: Gemüsepfanne mit Kürbis
Zutaten (für eine große Portion): 1/4 Hokkaido-Kürbis, eine Hand voll Strauchtomaten, 1/4 Aubergine,
ein großes Stück Feta nach Belieben, ein paar Kürbiskerne, ca. 3 EL Olivenöl, Gewürze, frischer Basilikum.

Ich möchte etwas mit euch ausprobieren. Stellt euch einen Menschen vor, der zum Frühstück Eier mit Speck und Mayonnaise isst - und nach Feierabend eine Hackfleischpfanne. Und dann jemanden, der morgens Müsli mit Obst und abends zwei Scheiben Vollkornbrot auf dem Teller hat. Welche dieser imaginären Personen ist wohl gerade auf Diät? Ihr könnt es sicher selbst ahnen - sonst würde irgendwie die Pointe fehlen. 

Was ich eigentlich sagen will: Viele Regeln der Low-Carb-Diät, die durchs Internet geistern, kommen mir äußerst seltsam und viel zu fett vor (von der Fleischlastigkeit in meinem speziellen Fall mal ganz abgesehen). Da bleibe ich doch lieber bei Gemüse: Auch ohne Kohlenhydrate, richtig lecker - und als Beilage wird nicht das Gefühl serviert, dass hier irgendetwas nicht passt...

Voilà: Leckere Kürbis-Gemüse-Mischung aus dem Ofen


Low-Carb, aber lecker: Gemüsepfanne mit Kürbis

Mal wieder ertappe ich mich dabei, euch hier kein echtes Rezept zu präsentieren - sondern mehr eine Geht einfach und schmeckt gut-Empfehlung. Aber da müssen wir jetzt gemeinsam durch. Denn ich bin gerade ganz begeistert von diversen Gemüse-Mix-Gerichten aus dem Ofen (denn ich gebe zu, dass auch ich abends meist Kohlenhydrate umrunde - allerdings mit gesundem Menschenverstand statt Rezepten aus dem Netz). Die Zutaten sind dabei beliebig zu variieren (und auch in diesem Fall nur grobe Vorschläge), die Zubereitung bleibt immer gleich und maximal einfach.

Zuerst heizt ihr den Ofen vor (180 Grad, Umluft). Wascht dann das ganze Gemüse gründlich und schneidet es in kleine Würfel. Glücklicherweise muss hierbei nichts geschält werden, auch der Kürbis (weil's Hokkaido ist) kann problemlos mit Schale verzehrt werden, nur die Kerne müssen raus. Jetzt kommen Kürbis und Aubergine in eine kleine Auflaufform und werden mit Olivenöl übergossen (okay, ich gebe zu - hier kommt das Fett ins Spiel, aber ist ja angeblich die gesunde Variante). Salz, Pfeffer und Gewürz nach Wahl drauf und ab in den Ofen damit.

Nach etwa 15 Minuten gebt ihr die Tomaten dazu, ein paar weitere Minuten später den gewürftelten Feta und die Kürbiskerne. Nach etwa 20 bis 25 Minuten sollte alles fertig sein - um sicherzugehen, schaut euch den Kürbis genau an, der braucht am längsten. Basilikum drüber und ab auf den Tisch damit! Ja, ihr seht richtig: Wirklich gekocht werden muss hier nichts - komfortabler geht's doch kaum.

Low-Carb, aber lecker: Gemüsepfanne mit Kürbis

Bon Appétit! Und ja, ich höre euch (und vor allem die Männer der Welt) schon rufen: Das ist doch nur eine Beilage, kein echtes Hauptgericht! Ich halte dagegen: Auf die Größe kommt es an. Aber wenn es nicht reicht: Bratet ein Steak oder esst mit Butter bestrichene Käsechips dazu - und ihr seid immer noch voll auf Diät. Nunja, ich bleibe dabei: Irgendwas passt da nicht.
Mit Mayonnaise bestrichene Käseröllchen
Mit Mayonnaise bestrichene Käseröllchen
Mit Mayonnaise bestrichene Käseröllchen

Montag, 13. Oktober 2014

Kinoreife Verwandlung: Ikea-Stühle mit Shabby-Look besprüht

Agen angesprüht: Ikea-Möbel im Shabby Chic

Es ist wie in diesen Highschool-Filmen: Irgendwo steht immer ein Begleiter im Schatten. Der Football-Star hat einen schüchternen besten Freund, die Cheerleader-Königin eine unscheinbare Cousine. Und am Ende wird allen klar: Eigentlich sind das die besseren Menschen - sie werden nur völlig unterschätzt. So ähnlich ist es bei Ikea-Möbeln: Verkaufsschlager Billy gilt sogar als Designklassiker, auch bei Expedit oder Malm haben wohl 95% der Wohnungsbesitzer gleich ein weiß-eckiges Bild im Kopf. Und wie ist das mit Agen? Nie gehört? Doch, den kennst du! Der günstige Korbstuhl, robust, stapelbar und fast bei jeder Party dabei - trotzdem erinnert sich nachher niemand, dass er da war. Höchste Zeit, Agen ins Rampenlicht zu stellen!

Agen angesprüht: Ikea-Möbel im Shabby Chic

Voilà: Ikea-Korbstühle im coolen Shabby-Look


Natürlich kaufte ich für meine Studentenwohnung damals zwei Agen-Exemplare - in den letzten Jahren versprühten sie in meiner sonst eher Vintage-lastigen Küche klassischen Ikea-Charme. Bis ich sie irgendwann nicht mehr sehen, aber auch nicht aussortieren wollte. Sie sind schließlich bequem, praktisch - und nun mal da. Die Idee war geboren, der richtige Zeitpunkt gekommen. Also durchsuchte ich im Baumarkt Sprühlack-Regale, bis ich endlich hatte, was ich wollte: taubenblau. Klingt unattraktiv, sieht aber (ohne mich zu sehr loben zu wollen) ziemlich cool aus.

Und das Umstyling ist denkbar einfach - man sollte dafür nur eine große Fläche im Freien aufsuchen, denn der Sprühlack stinkt wahnsinnig und hinterlässt taubenblaue Spuren. Am besten also in einen Garten oder Hof gehen, in dem großflächig Folie ausgelegt werden kann. Die Stühle sollten mit einem Tuch von Dreck und Staub befreit werden, dann folgt der tatsächlich anstrengendste Part: Lackdosen schütteln - drei Minuten lang, gut für die Oberarme... Das Sprühen an sich geht schnell und erfordert keinerlei Kompetenzen.

Agen angesprüht: Ikea-Möbel im Shabby Chic

Der einzige Haken: Der Lack geht superschnell leer, wir haben pro Stuhl eine große Dose aufgebraucht (und die guten Vorsätze, auch die Unterseite zu sprühen, leider nicht durchziehen können). Zum Glück ist's nicht schlimm, wenn die Farbe nicht überall deckt - hier steht ja schließlich shabby drüber... Wichtig ist, dass der Lack wirklich gut trocknet - sonst erhalten später auch alle Kissen und Klamotten einen neuen Look. Wir haben den Stühlen also noch einige Tage Ruhe gegönnt, mittlerweile genießen sie aber täglich ihren großen Auftritt in der Küche - und passen in ihrem blauen Shabby-Outfit tausendmal besser ins Umfeld als in der Original-Optik.

Damit ich jetzt nicht für eine Anhängerin der Make-Up-Lobby gehalten werde, spreche ich noch einmal kurz über Menschen statt Möbel. Bei der unscheinbaren Cousine beispielsweise reicht es für den Schritt aus dem Schatten natürlich nicht aus, wenn man ihr mit genügend Farbe eine Komplettverwandlung verpasst. Aber wie bei Möbeln braucht es manchmal einfach nur den richtigen Zeitpunkt oder eine gute Idee - und dann wird alles besser. Und das ist die Moral der heutigen Geschicht'.

Mittwoch, 1. Oktober 2014

Könnte auch 'ne Tarte sein: Spinat-Quiche mit Tomaten

Herzhafte Quiche mit Blattspinat, Tomaten und Pinienkernen
Zutaten für den Mürbeteig: 150g Mehl (bei mir halb Weizen, halb Dinkel), 50g gemahlene Mandeln,
125g kalte Butter, 1 TL Salz, 1 Ei.  Für den Belag: 1 Zwiebel, 1 Knoblauchzehe, 400g Tiefkühl-Blattspinat,
500g Strauchtomaten, 50g Pinienkerne, 2 EL gemahlene Mandeln, 200g Schmand, 3 Eier, italienische Kräuter.  
Außerdem: Salz, Pfeffer, Olivenöl, Muskat sowie Mehl und Fett für die Form.

Eine Frage, die viele Menschen umtreibt, lautet: Was ist der Unterschied zwischen Erdnussbutter und Marmelade? Kein Witz - auch wenn ich jetzt am Verstand der breiten Masse und ihr vermutlich an meinem zweifelt. Aber testet mal, was Google vorschlägt, wenn ihr Was ist der Unterschied zwischen eingebt. Ein großartiger Zeitvertreib.

Schaut doch mal vorbei: Hier geht's zu südstadtgold!
Was ich aber eigentlich herausfinden wollte: Worin liegt der Unterschied zwischen Tarte und Quiche - falls es denn einen gibt? Komplizierter als die Sache mit den Brotaufstrichen. Manche behaupten, eine Tarte müsse süß, eine Quiche herzhaft sein, Andere machen die Unterschiede an der Form (eckig, rund, oval) fest. Einem weiteren Artikel zufolge darf eine Quiche auf gar keinen Fall gedeckt sein, sondern immer nur Teig mit Füllung. Eine Tarte hingegen dürfe ein gedeckter Kuchen sein, heißt es - muss aber nicht. Eine ungedeckte Tarte könnte also problemlos als Quiche durchgeben und jede Quiche als ungedeckte Tarte. Was ein Humbug- ich entscheide mich dafür, eine Quiche gebacken zu haben (allerdings in einer Tarteform).

Voilà: Spinatquiche mit Tomaten und Pinienkernen


Das Rezept habe ich vor Ewigkeiten bei Chefkoch entdeckt und seitdem ganz oft abgewandelt. Für den Mürbeteig gebt ihr Mehl, Mandeln, Butter (in Stückchen), Ei und Salz in eine Schüssel, verrührt alles erst mit den Knethaken des Mixers und dann mit der Hand, bis ihr eine homogene Masse habt. Die wickelt ihr in Frischhaltefolie, dann kommt der Teig mindestens 40 Minuten in den Kühlschrank.

Herzhafte Quiche mit Blattspinat, Tomaten und Pinienkernen

Für die Füllung bereitet ihr erst den Spinat nach Belieben zu (ich habe Zwiebel und Knoblauch in einem Topf mit etwas Öl angeschwitzt, den tiefgekühlten Spinat dazugegeben und etwa 15 Minuten auf mittlerer Stufe erhitzt - dann mit Salz, Pfeffer und Muskat gewürzt). Die Tomaten werden nur gewaschen und halbiert, die Pinienkerne in einer Pfanne ohne Öl angeröstet. Fehlt noch der Schmandguss: Dafür verrührt ihr Schmand, Eier und italienische Kräuter mit dem Schneebesen, schmeckt es dann mit Salz und Pfeffer ab.

Heizt den Ofen auf 200 Grad (Umluft) vor, dann schnappt euch die Quiche- (oder auch Tarte-)Form, fettet und mehlt sie ein. Der Teig wird ausgerollt und in der Form ausgebreitet, der Rand sollte etwa zwei Zentimeter hochstehen. Stecht den Boden mehrmals mit einer Gabel ein und streut etwa zwei EL gemahlene Mandeln drauf. Verteilt den Spinat auf dem Teig, drückt die Tomatenhälften rein, gießt den Schmandguss darüber - und am Ende streut ihr noch die Pinienkerne oben drauf.

Nun schiebt ihr die Quiche auf unterster Schiene in den Ofen - dort muss sie etwa 50 bis 60 Minuten bleiben. Mir kommt das immer sehr lang vor, aber es muss wohl sein. Falls der Teig nach einer halben Stunde schon dunkel wirkt, deckt ihr am besten alles mit Alufolie ab. Und den Rest entscheidet ihr nach Gefühl.

Herzhafte Quiche mit Blattspinat, Tomaten und Pinienkernen

Bon Appétit! Natürlich habe ich Marmelade-Erdnussbutter-Geschichte weiterverfolgt und bin erleichtert, dass es offensichtlich einen Anlass für die vielen Google-Anfragen gibt: einen Witz aus How I Met Your Mother. Trotzdem werden in Foren ausführlichst die unterschiedlichen Eigenschaften der Brotaufstriche aufgelistet. Kurios. Übrigens habe ich noch eine weitere Erkenntnis erlangt: Faule Menschen sind offenbar politisch interessierter als solche, die viel tippen. Denn wenn ihr nur Unterschied zwischen eingebt, schlägt Google Sunniten und Schiiten vor - das könnte man ja wirklich mal lesen. Aber erst nach dem Essen.

Donnerstag, 11. September 2014

Ein Abend als Kamera-Kind: Foto-Playground in Ehrenfeld


Ich glaube, ich war kein Spielplatz-Kind. Zu viele kleine fremde Wesen mit hoher Krawall-Affinität. Rabauken könnte man sagen, was für ein schönes Wort. Außerdem so viel schmutziger Sand und die ganzen hohen Klettergerüste. Ich fürchte, ich habe in dieser Hinsicht nicht alle wunderbaren Möglichkeiten der Kindheit ausgeschöpft. Glücklicherweise bin ich inzwischen selbstreflektiert genug, um das einzusehen - aber noch nicht zu alt, um viele Dinge nachzuholen. Punkt 1: Eine fantastische Zeit auf einem Spielplatz verbringen.

Voilà: Der Photography Playground in Ehrenfeld

 


Bald steigt in Köln die photokina, in diesem Rahmen wurde das Jack in the Box-Gelände in Ehrenfeld  (das ich Banausin bislang nur vom Nachtflohmarkt kannte) in einen künstlerischen Fotografen-Spielplatz verwandelt. Das großartige Team von WE ARE CITY hatte Blogger zu einer Vorab-Führung eingeladen - auch ich durfte dabei sein.


Organisiert wird dieser Photography Playground von Olympus, jeder Besucher kann sich Kameras ausleihen und mit ihnen die Kunst erkunden - und natürlich ablichten. Was es zu sehen gibt? Echt schwer zu beschreiben. Wenn ich sage: Leuchtende LED-Schnüre, hängende Spiegel-Gebilde oder Plastiklippen, mit denen man selbst selten dämlich aussieht - dann klingt es lange nicht so cool, wie es wirklich war. Ich versuche, die Bilder ein bisschen mehr erzählen zu lassen - und schicke euch hiermit einfach selbst hin.




Der Eintritt ist frei, die Speicherkarte der geliehenen Kamera darf man am Ende behalten - und ja, ich habe erkannt, dass es sich irgendwie um eine Olympus-Verkaufsveranstaltung handelt. Die Kameras waren aus meiner Laien-Sicht ziemlich gut, ich hatte vor allem kindlichen Spaß mit den vielen integrierten Filtern, auf die man bei Olympus offenbar besonders stolz ist. Und die bei Foto-Profis völlig verpönt sind. Ich kann aber nicht mal das genaue Modell der Kamera sagen - sorry, Olympus: Vielleicht bin ich eine schlechte Werbe-Botschafterin. Dafür hatte ich einen großartigen Abend als Kamera-Kind bei euch.


Und ich kann hinter fantastische Zeit auf einem Spielplatz haben einen fetten Haken machen - sogar die vielen fremden Menschen, die ich kennenlernen durfte, waren sehr, sehr nett (nein, niemand hat mir meinen Kuchen geklaut, mich ausgelacht oder gehauen). Und übrigens bin ich letztens sogar im Hochseilgarten auf mutierten Riesen-Klettergerüsten herumgeturnt (auch dafür gibt es eine drindende Hin-da!-Empfehlung) und hatte wahnsinnigen Spaß. Ich glaube, inzwischen wäre ich ein ziemlich gutes Kind. Und ich mag sogar Rabauken.